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Bericht der OWZ vom 18.09.2002

Unterwegs mit dem Lokomobier

Braumobil macht Bierbrauen anschaulich: guter Hammersud

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WALDERSHOF Das Teil erinnert ein wenig an alte Lokomobile, wie sie früher zum Dreschen von Dorf zu Dorf gefahren sind: Doch es ist eher ein "Lokomobier": Zischend und gurgelnd steht das "Braumobil" da, das Bedienungspersonal turnt hektisch um die beiden Kessel und die vielen Leitungen herum, rührt mal hier, schürt mal dort, öffnet Hähne und prüft Temperaturen. Auf der "Schlemmermeile" in Waldershof vor gut einer Woche war das Mobil erstmals öffentlich im Einsatz und sorgte für Aufsehen.

Und das soll es ja auch: Die Tüftler Wolfgang Gradewald und Gerhard Kaiser aus Lengenfeld sowie Reinhard Schultes aus Poppenreuth wollen mit ihrer Erfindung den Brauvorgang bei Festen wie diesem anschaulich zeigen. Angefangen hat alles wie üblich im kleinen Maßstab: Gradewald besuchte seinen alten Spezl und Schulfreund Thomas Gleixner in Bamberg, der wie er aus Windischeschenbach stammt. Thomas hatte sich ein interessantes Hobby zugelegt, eben Bierbrauen. Das fand Gradewald so interessant, dass im Gleixnerschen Wohnzimmer bald richtige Kurse für die alten Freunde aus der Oberpfalz abgehalten wurden.

Und die frisch ausgebildeten Brau-Spezis, beruflich im Computerbereich tätig, packten die neue Lust gleich ingenieursmäßig an: Ein Biermobil sollte entstehen. Gradewald, Schultes und Kaiser schnappten sich einen landwirtschaftlichen Hänger und montierten eine ganze Mini-Brauereidarauf. Und es sollte kein gewöhnliches Bier werden: "Wir wollen die Leute nicht abfüllen", beschreibt Gradewald das Ziel: "Ein würziges Bier mit wenig Alkohol" sollte es vielmehr werden.

Um die Menschen sozusagen auf den Bier-Geschmack zu bringen, legt man viel Wert auf die geschmackliche Ausreifung. Deshalb entschied man sich für das komplizierte Mehrmaisch-Verfahren. Und das geht so: Beim "Maischen" wird der beim Mälzen eingeleitete Abbau der Stärke in Zucker wieder aktiviert. Nachdem die Maische in der Sudpfanne erhitzt wurde, steuern die Biermobilisten durch raffiniertes Hin- und Herpumpen zwischen Sudpfanne und Maischebottich die Temperatur und damit die Aktivität der einzelnen Enzyme im Malz, die nicht nur die Stärke abbauen, sonder zahlreiche weitere biochemische Reaktionen bewirken, die sich auf den Geschmack des Bieres auswirken.

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Das Mehrmaischverfahren hat drei Temperaturstufen, was eine besonders ausgewogene Mischung an Inhaltsstoffen bewirkt. Am Ende des Maischens ist die Stärke vor allem in Malzzucker aufgespalten. Jetzt muss die Maische von den festen Bestandteilen, vor allem der Gerstenspelze, abgetrennt werden. Das geschieht mit einem Sieb unten im Fass und heißt Läutern.

Jetzt kommt es zum zweiten Hauptprozess beim Brauen: Die entstandene "Würze" wird mit Hopfen gekocht. Auch hierbei laufen komplexe chemische Reaktionen ab. Vor allem lösen sich Bitterstoffe aus dem Hopfen, die dem Bier seinen typischen Geschmack geben. Je länger gekocht wird, desto mehr Wasser verdampft auch, die Konzentration der gelösten Stoffe steigt somit. Je stärker das Bier "eingebraut" wird, desto höher ist am Ende seine "Stammwürze", also die Konzentration der gelösten Stoffe, insbesondere des Malzzuckers. Und je mehr Zucker, desto mehr Alkohol entsteht später.

Für Menschen, denen die 4,7 bis 5,2 Prozent Alkohol im so entstanden Bier zu wenig sind, bieten die drei Brauer den "Hammersud" an, der seinem Namen alle Ehre macht: Mit zehn Prozent Alkohol nämlich. Etwa zehn Stunden dauert der gesamte Brauvorgang, doch am Ende gibt es noch lange kein Bier zu trinken: Schließlich muss es erst nach Zugabe von Hefe gären, was ein paar Wochen dauert. Das Bier aus dem Schau-Brauen darf aus hygienischen Gründen leider nicht kommerziell verkauft werden.

Natürlich gibt es trotzdem Braumobil-Bier bei den Festen zu trinken, und zwar schon von Anfang an: Das wird lebensmittelrechtlich abgesegnet in einer Halle in Lengenfeld gebraut, in der das Biermobil steht, wenn es nicht unterwegs ist.

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Das Bier kann man übrigens auch kaufen, ohne gleich das ganze Braumobil zu ordern (Infos unter www.braumobil.de). Aber was wird mit den etwa 600 Litern Bier passieren, die bei jedem Schaubrauen entstehen? "Das müssen wir entweder im privaten Freundeskreis trinken oder wegschütten", sagen die Mobil-Brauer. Gut, dass sie viele Freunde haben.

Harald Mohr

 

Bericht in der Frankenpost vom Montag, den 9. September 2002

Viele Köstlichkeiten lockten Feischmecker nach Waldershof

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Da kamen die Schleckermäuler bei herrlichem Wetter auf ihre Kosten: Bei vielen Menschen in Waldershof und Umgebung blieb am Samstag die Küche kalt. Stattdessen lißen sie sich an den Stände der längsten bayerischen Schlemmermeile kulinarisch verwöhnen. Wer allerdings zu spät dran war, hatte zuweilen das Nachsehen. Besondere Köstlichkeiten wie Schwammerlbrühe oder Rehragout waren schon bald verzehrt. Dennoch ließ das Angebot kaum Wünsche offen, denn vom geräucherten Limburger bis hin zu Blut- und Leberwürsten, Zwetschgen in Rotwein oder selbstgebrautem Bier (Bild) gab´s alles, was der Gaumen begehrt.

  Hausbrau, Zoigl, Braumobil, Mobilbrau, Braukurs