Unterwegs mit dem Lokomobier
Braumobil macht Bierbrauen anschaulich: guter
Hammersud

WALDERSHOF Das Teil erinnert ein wenig an alte Lokomobile, wie sie früher zum Dreschen
von Dorf zu Dorf gefahren sind: Doch es ist eher ein "Lokomobier": Zischend und
gurgelnd steht das "Braumobil" da, das Bedienungspersonal turnt hektisch um die
beiden Kessel und die vielen Leitungen herum, rührt mal hier, schürt mal dort, öffnet
Hähne und prüft Temperaturen. Auf der "Schlemmermeile" in Waldershof vor gut
einer Woche war das Mobil erstmals öffentlich im Einsatz und sorgte für Aufsehen.
Und das soll es ja auch: Die Tüftler
Wolfgang Gradewald und Gerhard Kaiser aus Lengenfeld sowie Reinhard Schultes aus
Poppenreuth wollen mit ihrer Erfindung den Brauvorgang bei Festen wie diesem anschaulich
zeigen. Angefangen hat alles wie üblich im kleinen Maßstab: Gradewald besuchte seinen
alten Spezl und Schulfreund Thomas Gleixner in Bamberg, der wie er aus Windischeschenbach
stammt. Thomas hatte sich ein interessantes Hobby zugelegt, eben Bierbrauen. Das fand
Gradewald so interessant, dass im Gleixnerschen Wohnzimmer bald richtige Kurse für die
alten Freunde aus der Oberpfalz abgehalten wurden.
Und die frisch ausgebildeten Brau-Spezis,
beruflich im Computerbereich tätig, packten die neue Lust gleich ingenieursmäßig an:
Ein Biermobil sollte entstehen. Gradewald, Schultes und Kaiser schnappten sich einen
landwirtschaftlichen Hänger und montierten eine ganze Mini-Brauereidarauf. Und es sollte
kein gewöhnliches Bier werden: "Wir wollen die Leute nicht abfüllen",
beschreibt Gradewald das Ziel: "Ein würziges Bier mit wenig Alkohol" sollte es
vielmehr werden.
Um die Menschen sozusagen auf den
Bier-Geschmack zu bringen, legt man viel Wert auf die geschmackliche Ausreifung. Deshalb
entschied man sich für das komplizierte Mehrmaisch-Verfahren. Und das geht so: Beim
"Maischen" wird der beim Mälzen eingeleitete Abbau der Stärke in Zucker wieder
aktiviert. Nachdem die Maische in der Sudpfanne erhitzt wurde, steuern die Biermobilisten
durch raffiniertes Hin- und Herpumpen zwischen Sudpfanne und Maischebottich die Temperatur
und damit die Aktivität der einzelnen Enzyme im Malz, die nicht nur die Stärke abbauen,
sonder zahlreiche weitere biochemische Reaktionen bewirken, die sich auf den Geschmack des
Bieres auswirken.

Das Mehrmaischverfahren hat drei
Temperaturstufen, was eine besonders ausgewogene Mischung an Inhaltsstoffen bewirkt. Am
Ende des Maischens ist die Stärke vor allem in Malzzucker aufgespalten. Jetzt muss die
Maische von den festen Bestandteilen, vor allem der Gerstenspelze, abgetrennt werden. Das
geschieht mit einem Sieb unten im Fass und heißt Läutern.
Jetzt kommt es zum zweiten Hauptprozess beim
Brauen: Die entstandene "Würze" wird mit Hopfen gekocht. Auch hierbei laufen
komplexe chemische Reaktionen ab. Vor allem lösen sich Bitterstoffe aus dem Hopfen, die
dem Bier seinen typischen Geschmack geben. Je länger gekocht wird, desto mehr Wasser
verdampft auch, die Konzentration der gelösten Stoffe steigt somit. Je stärker das Bier
"eingebraut" wird, desto höher ist am Ende seine "Stammwürze", also
die Konzentration der gelösten Stoffe, insbesondere des Malzzuckers. Und je mehr Zucker,
desto mehr Alkohol entsteht später.
Für Menschen, denen die 4,7 bis 5,2 Prozent
Alkohol im so entstanden Bier zu wenig sind, bieten die drei Brauer den
"Hammersud" an, der seinem Namen alle Ehre macht: Mit zehn Prozent Alkohol
nämlich. Etwa zehn Stunden dauert der gesamte Brauvorgang, doch am Ende gibt es noch
lange kein Bier zu trinken: Schließlich muss es erst nach Zugabe von Hefe gären, was ein
paar Wochen dauert. Das Bier aus dem Schau-Brauen darf aus hygienischen Gründen leider
nicht kommerziell verkauft werden.
Natürlich gibt es trotzdem Braumobil-Bier
bei den Festen zu trinken, und zwar schon von Anfang an: Das wird lebensmittelrechtlich
abgesegnet in einer Halle in Lengenfeld gebraut, in der das Biermobil steht, wenn es nicht
unterwegs ist.

Das Bier kann man übrigens auch kaufen, ohne
gleich das ganze Braumobil zu ordern (Infos unter www.braumobil.de). Aber was wird mit den
etwa 600 Litern Bier passieren, die bei jedem Schaubrauen entstehen? "Das müssen wir
entweder im privaten Freundeskreis trinken oder wegschütten", sagen die
Mobil-Brauer. Gut, dass sie viele Freunde haben.
Harald Mohr